Woran du eine Gebärmuttersenkung erkennst und was hilft

Blasenschwäche nach Geburt

Nach der Geburt ihres ersten Kindes hat Laura das Gefühl, permanent ein Tampon in der Scheide zu tragen, das prall gefüllt und kurz vor dem herausrutschen ist. Den ersten Spaziergang zwei Wochen nach der Entbindung bricht sie nach zehn Minuten ab. „Ich hatte Angst, dass mir alles gleich rausrutscht“, sagt die 32-Jährige.

Ihr Frauenarzt beruhigte sie zwar: Alles würde sich bald wieder geben, das sei doch alles normal. Aber richtig ernst genommen fühlte sie sich nicht. Vor allem, weil dieses „Druckgefühl“ nach unten auch nach sechs Monaten noch da war und sie ihre Blase nicht richtig im Griff hatte. Erst ein Jahr nach der Geburt und weiteren Arztbesuchen erfuhr Laura, dass sie eine Gebärmuttersenkung hat und ihr Beckenboden in Folge der Schwangerschaft und Geburt geschwächt ist.

Laura gibt es wirklich. Sie ist meine Patientin, nur der Name ist geändert. Weil ihre Geschichte mich sehr bewegt hat, möchte ich in diesem Beitrag mein Wissen zum Thema Gebärmuttersenkung mit dir teilen. Wenn du das Gefühl hast, dass einige im Folgenden beschriebenen Punkte auf dich zutreffen, dann warte nicht und geh zum Arzt. Je früher du aktiv wirst, desto eher wirst du die Symptome, die mit einer Senkung der Gebärmutter einhergehen, los.

Was ist eine Gebärmuttersenkung?

Bei einer gesunden Frau halten elastische Bänder die Gebärmutter (Uterus) an der Beckenwand fest. Zusätzlich stützt sie der Beckenboden, der aus Muskeln und Bindegewebe besteht. Wenn sich die Bänder und die Muskeln des Beckenbodens lockern, kann sich die Gebärmutter teilweise von der Beckenwand lösen und ihre Position nach unten verlagern.

In besonders schweren Fällen verschiebt sich die Gebärmutter so weit nach unten, dass sie teilweise oder ganz aus der Scheide herausragt, Gebärmuttervorfall oder Gebärmutterprolaps genannt. Neben der Gebärmutter können auch Harnblase und Darm nach unten rutschen und sich ebenfalls in die Scheide vorwölben. Bei der Blase sprechen Ärzte dann von einer Zystozele, die Ausstülpung des Darms in die Scheide wird als Rektozele bezeichnet.

30 bis 50 Prozent aller Frauen haben eine Gebärmuttersenkung oder einen Gebärmuttervorfall. Die Zahl ist so ungenau, weil – ebenso wie bei Laura zu Beginn ihrer Odyssee – nicht alle Ärzte eine Senkung erkennen und leider auch nicht alle Frauen damit zum Arzt gehen. Entweder weil sie die Symptome nicht richtig deuten oder sich schämen über beispielsweise Inkontinenz mit einer fremden Person zu sprechen.

Aus Untersuchungen wissen wir heute, dass mit zunehmendem Alter die Zahl der Frauen steigt, die eine Senkung haben. Das stelle auch ich in meiner täglichen Arbeit mit Patientinnen fest. Am häufigsten tritt die Lageveränderung der Gebärmutter in oder nach den Wechseljahren auf.

Die Gebärmuttersenkung beziehungsweise Scheidensenkung teilen Mediziner in vier Grade ein:

  • Grad I: Gebärmuttersenkung reicht unter das obere Scheidendrittel, aber nicht bis zum Scheideneingang
  • Gras II: Gebärmuttersenkung reicht bis zum Scheideneingang
  • Grad III: Gebärmuttersenkung reicht über den Scheideneingang hinaus
  • Grad IV: Beim Totalprolaps stülpt sich die Gebärmutter durch die Scheide nach außen und zieht die Scheidenwände mit

Wie kommt es zu einer Gebärmuttersenkung?

Risikofaktoren für eine Absenkung der Gebärmutter (Descensus uteri):

  • Schwangerschaften und Geburten: In der Schwangerschaft wird das Gewebe des Beckenbodens weicher, da das Kind genügend Platz braucht. Besonders unter der Geburt muss sich der Beckenboden extrem weiten. Dabei kann es passieren, dass sich die Muskeln überdehnen oder sogar reißen. Die sehnigen Muskelansätze können sich dabei auch von der Beckenwand lösen. Eine Geburt mit Hilfe einer Saugglocke oder Zange kann Risse oder Überdehnungen begünstigen.
  • Schwere Arbeit: Wenn Frauen über längere Zeit Schweres heben und tragen, entsteht Druck auf den Beckenboden. Besonders ungünstig ist es, wenn sie Lasten gebeugt anstatt mit geradem Rücken heben.
  • Übergewicht: Jedes Kilo zu viel belastet die Gebärmutter.
  • Häufiges Husten: Wenn Frauen beispielsweise an chronischen Atemwegserkrankung leiden.
  • Alter: Mit den Wechseljahren wird das Gewebe schlaffer, Muskeln bilden sich zurück, die Durchblutung des Gewebes verringert sich. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen bildet sich mit zunehmenden Alter ebenfalls zurück und wirkt nicht mehr als natürlicher Straffer.
  • Rauchen
  • Bindegewebsschwäche
  • Chronische Verstopfung (Obstipation)
  • Krebserkrankung des Beckenbodens (sehr selten)

Die größte Gefahr für eine Absenkung der Gebärmutter ist ein schwacher Beckenboden, der wiederum mit den anderen oben beschriebenen Faktoren zusammenhängt. Der Beckenboden besteht aus mehreren Schichten an Muskeln und Bindegewebe, die das kleine Becken verschließen. Er trägt unsere Organe und ist beim Sitzen und Gehen großen Belastungen ausgesetzt. Kommen weitere negative Faktoren wie Geburtsfolgen hinzu, kann er der Gebärmutter nicht mehr den Halt bieten, den sie für eine gesunde Lage braucht.

Woran merke ich, dass sich meine Gebärmutter gesenkt hat?

Weil durch den Beckenboden Harnröhre, Scheide und Enddarm verlaufen, leiden Frauen mit einer Gebärmuttersenkung an Symptomen, die genau diese Organe betreffen.

Typische Symptome einer Gebärmuttersenkung sind wie bei Laura ein „Druck“ nach unten und ein „Fremdkörpergefühl“. Einige Frauen haben ziehende Unterleibschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen. Manchmal auch nur Schmerzen im unteren Rücken. Diese Schmerzen erzeugt ein Zug der Gebärmutter an den Bändern, an denen sie aufgehängt ist.

Inkontinenz Beckenboden schwache Blase Gebärmuttersenkung Rückbildung
Inkontinenz kann auf eine Gebärmuttersenkung hindeuten. Grund ist meist ein schwacher Beckenboden.

Wenn der Beckenboden überdehnt ist, kann sich auch die Harnröhre verschieben. Die Hälfte der Betroffenen verliert dann unkontrolliert Harn bei körperlicher Aktivität (Belastungsinkontinenz). Weitere Symptome für eine Senkung der Gebärmutter sind Störungen beim Entleeren der Blase. Wiederum kann Urin, der in kleinen Mengen nach dem Toilettengang in der Blase verbleibt, zu Blasenentzündungen führen. Nicht selten sind sich wiederholende Harnwegsinfekte die Folge einer Senkung der Gebärmutter und der Harnblase.

Blutungen oder Ausfluss mit Geruchsbildung können weitere Anzeichen sein. Dazu kann es kommen, wenn die Scheidenschleimhaut bzw. der Gebärmutterhals vorfällt und es zu Druckgeschwüren an der unverhornten Schleimhaut kommt. Die Bakterien und Pilzen, die sich dann an der Schleimhaut ansiedeln, verursachen den Geruch.

Senkt sich die hintere Scheidenwand (Rektozele) mit Ausstülpung des Enddarms in die Scheide, kann es zu Problemen beim Stuhlgang kommen.

Insgesamt sind die Beschwerden sehr vielfältig und hängen davon ab, wie weit sich die Gebärmutter abgesenkt hat. Zudem können die anderen Organe etwas verschoben werden: Die Scheide wölbt sich manchmal vor und lässt sich zwischen den Schamlippen ertasten. Senkt sich die Gebärmutter stärker ab, wird zunächst der Gebärmutterhals von außen tastbar. Nicht immer verursacht eine Gebärmuttersenkung Probleme. Auch hängt der Grad der Senkung nicht unbedingt damit zusammen, wie stark sich die Beschwerden ausprägen.

Mögliche weitere Symptome für eine Gebärmuttersenkung sind:

  • Schmerzen im Unterbauch bis hin zum Gefühl des „Herausfallens“ von Organen
  • Schmerzen oder Druckgefühl beim Geschlechtsverkehr
  • Das Gefühl von Schwere und Ziehen im Becken
  • Das Herausragen der Gebärmutter aus der Scheide (beim Gebärmuttervorfall)

Wie kann eine Gebärmuttersenkung diagnostiziert werden?

Hast du einige der oben beschriebenen Symptome an dir festgestellt, solltest du dich von einem Frauenarzt untersuchen lassen.

Zunächst wird der Arzt dich fragen, welche Beschwerden du hast, wann sie auftreten und zum Beispiel ob du schon Kinder hast. Bei einer Untersuchung beurteilt er dann die Lage des Beckenbodens und der weiblichen Geschlechtsorgane auch unter Pressen sowie einen möglichen Urinverlust. Dabei kann er auch Druckgeschwüre oder Entzündungen der Scheide erkennen. Zudem kann die Kraft deiner Anusmuskeln überprüft und durch den Hustentest bei voller Blase eine Lockerung der Harnröhre mit Belastungsinkontinenz festgestellt werden.

Einen vorgewölbten Enddarm kann der Arzt über den After ertasten. Besteht eine Inkontinenz, sollte zusätzlich der Restharn mittels Ultraschall gemessen. Zumindest vor einer Operation sollte der Arzt außerdem den Blasendruck messen. Durch diese Untersuchung kann er andere Formen der Inkontinenz abgrenzen, die nicht durch eine Beckenbodenschwäche sowie Absenken von Gebärmutter und Blase verursacht sind. Das alles ist wichtig für die weitere Behandlung.

Weitere Untersuchungsmöglichkeiten durch deinen Frauenarzt:

  • Sonografie von Blase und Nieren
  • Defäkografie kann Hinweise auf komplexe höher gelegene Lage- bzw. Funktionsabweichungen des Rektums geben
  • Blasenspiegelung
  • Beckenboden-Check als Präventionsmaßnahme, um bei gesunden Frauen das Risiko einer Senkung einzuschätzen

Was hilft bei einer Senkung der Gebärmutter?

Die schlechte Nachricht zuerst: Hat sich die Gebärmutter einmal abgesenkt, lässt sich dies ohne beispielsweise eine Operation nicht mehr rückgängig machen. Aber es gibt viele Möglichkeiten, deine Beckenbodenmuskulatur zu stärken. Ist dein Beckenboden fit, bleibt die Gebärmutter, wo sie ist und verschiebt sich nicht weiter nach unten. Zudem bekommst du durch einen straffen Beckenboden Symptome wie Inkontinenz oder Schmerzen wieder in den Griff.

Welche Therapie bei einer Gebärmuttersenkung gewählt wird, hängt von den Beschwerden ab und vom Schweregrad der Senkung beziehungsweise den zusätzlichen Symptomen wie Inkontinenz oder Kinderwunsch.

Bei einer leichten Senkung beziehungsweise geringer Inkontinenz erzielen nichtoperative Methoden gute Erfolge. Dazu zählen Maßnahmen gegen bekannte Risikofaktoren wie starkes Übergewicht, übermäßiger Nikotingenuss oder chronische Verstopfung.

Beckenbodentraining wirkt ohne Nebenwirkungen

Regelmäßiges Beckenbodentraining und eine richtige Haltung beim Tragen und Heben können bei einer Gebärmuttersenkung helfen. Indem du täglich deinen Beckenboden trainierst, kannst du deine Inkontinenz komplett beseitigen und die Schmerzen deutlich reduzieren oder komplett ausschalten.

Beckenbodentraining wirkt in jedem Fall gegen Symptome wie Inkontinenz. Das bestätigen zahlreiche Studien. Auch verbessert sich das Sexualleben von Frauen, die regelmäßig trainierten. Meine Empfehlung: Jede Frau sollte jeden Tag etwas für ihre Beckenbodenmuskeln tun – egal, ob mit oder ohne Gebärmuttersenkung!

Biofeedback- und Elektrostimulationsbehandlung erleichtern Beckenbodentraining

Diese Hilfsmittel erleichtern die Übungen des Beckenbodens, indem sie ein Feedback während des Trainings abgeben bzw. die Muskulatur über Impulse selber stimulieren. Um dauerhaft am Ball zu bleiben, setzen Frauen, die ich behandle, auf Lancy Femiscan. Das Biofeedbackgerät spricht beim Trainieren des Beckenbodens mit der Frau, motiviert sie und beurteilt, ob sie eine Übung richtig ausführt.

Lancy Femiscan Beckenboden Biofeedback Inkontinenz
Lancy Femiscan ist der einzige Beckenbodentrainer, der über Kopfhörer Anleitung und Feedback zum Training gibt.

Medizinische Therapiegeräte wie Lancy Femiscan sind verordnungsfähig. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich in der Regel komplett oder mit unterschiedlichen Beträgen, die privaten Krankenkassen übernehmen häufig alle Kosten.

Wenn du Interesse an einer Biofeedback- und Elektrostimulationsbehandlung hast, sprich einfach deinen Frauenarzt darauf an. Er kann dir ein Rezept ausstellen, mit dem du die Geräte bei uns beziehen kannst. Wenn du unsicher bist oder Fragen hast, ruf mich und meine Kollegen an und wir helfen dir.

Pessare halten Gebärmutter in Form

Je nach Art kann die Frau selbst oder der Arzt ein Pessar in die Scheide einsetzen. Pessare sind schalen-, ring- oder würfelförmig und bestehen aus Hartgummi oder Silikon. Dieses Hilfsmittel kann die Gebärmutter in ihrer Position stabilisieren. Damit sie nicht die Scheidenschleimhaut schädigen, kann mit einer lokalen Östrogentherapie entgegengesteuert werden. Leider halten Pessare nicht bei jeder Form der Gebärmuttersenkung und können Infektionen auslösen.

Lokale Östrogenisierung

Östrogenmangel führt bei Frauen nach den Wechseljahren dazu, dass sich Gewebe und Muskeln lockern. Deshalb kann eine Therapie mit estriolhaltigen Salben oder Zäpfchen, die über die Scheide eingeführt werden, hilfreich bei leichten Senkungs- und/oder Inkontinenzbeschwerden sein.

Operationen bei schweren Fällen der Gebärmuttersenkung

Bei besonders starken Senkungen muss leider operiert werden. Es gibt hier unterschiedliche Arten von OPs. Welche gewählt wird, hängt davon ab, wie stark die Senkung ausgeprägt ist, wie alt die Frau ist, unter welchen begleitenden Beschwerden sie leidet und ob sie noch Kinder bekommen möchte. Bei Kinderwunsch würden die Ärzte eine Methode wählen, die die Gebärmutter erhält.

Wenn die Frau keine Kinder mehr bekommen möchte, raten manche Ärzte zu einem kombinierten Operationsverfahren. Dabei entfernt der Arzt die Gebärmutter durch die Scheide und rafft und vernäht gleichzeitig das Scheidengewebe. So strafft sich auch der Beckenboden. Ähnliche Operationsverfahren gibt es auch bei gleichzeitig bestehender Inkontinenz.

Heute wird nur operiert, wenn die Frau stark unter der Senkung leidet oder beispielsweise ein Gebärmuttervorfall vorliegt. Eine Operation birgt Risiken und garantieren leider keine hundertprozentige Verbesserung, da Symptome wie Inkontinenz oder zusätzliche Schwierigkeiten wie Schmerzen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr auftreten können. Vor einer operativen Therapie sollten daher alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Wie kann ich einer Senkung vorbeugen?

Weil eine Senkung des Beckenbodens auch nach einer OP auftreten kann, empfehle ich auch operierten Frauen regelmäßiges Beckenbodentraining. Genauso sinnvoll ist es natürlich, schon in jungen Jahren den Beckenboden nicht zu überlasten und ihn zu trainieren.

Rückbildung Beckenbodentraining Inkontinent Gebärmuttersenkung Beckenboden
Rückbildungsgymnastik einige Wochen nach der Entbindung und regelmäßiges Beckenbodentraining geben der Gebärmutter Halt.

Nach einer Geburt ist es wichtig, dass Geburtsverletzungen erkannt und gut versorgt werden. Bitte nehmt euch immer die Zeit für die Wochenbett- und Rückbildungsgymnastik, nachdem ihr ein Kind zur Welt gebracht habt. Egal ob auf natürlichem Weg oder per Kaiserschnitt! Idealerweise führt ihr euer Training lebenslang fort.

In einem älteren Blogbeitrag habe ich für dich zusammengefasst, wie du den Beckenboden ganz nebenbei im Alltag stärken kannst und welche Faktoren deine Beckenbodenmuskulatur schwächen!

Gestärkt wird der Beckenboden übrigens durch so gut wie jede Art von Sport – ob dies Bauch-Beine-Po-Training im Fitnessstudio ist oder Yoga. Spezielle Übungen kräftigen zudem gezielt die Muskeln im Becken. Ein paar Übungen habe ich hier für dich.

Und noch zwei gute Nachrichten zum Schluss: Manchmal verläuft eine Gebärmuttersenkung ohne Symptome und muss nicht behandelt werden. Die Beschwerden selbst in die Hand nehmen und dran bleiben zahlt sich aus: Laura hat ihre Inkontinenz heute komplett im Griff. „Das Druckgefühl ist weg und ich traue mich wieder, zumindest vorsichtig, zu joggen“, sagt sie nach vier Monaten konsequenten Beckenbodentrainings mit Hilfe von Lancy Femiscan. Ich hoffe, auch bei dir gibt es ein gutes Ende. Wenn du möchtest, begleite ich dich dabei!

Zum Newsletter anmelden