Inkontinenzformen, Ursachen, Inkontinenzartikel und Behandlungen – alles was Sie wissen müssen

Der Begriff Inkontinenz stammt aus dem lateinischen Wort incontinentia, was so viel wie „Unvermögen“ bedeutet. Inkontinenz ist das Unvermögen, Stuhl oder Harn kontrolliert abzugeben oder zu halten. Bei Inkontinenz unterscheidet man bei Männern und Frauen grundsätzlich zwischen zwei Inkontinenzformen: Harninkontinenz (Blasenschwäche) und Stuhlinkontinenz. Inkontinenz Ursachen können sehr vielseitig sein. Das gut aufeinander abgestimmte System aus Schließmuskel, Blasenmuskel und Beckenbodenmuskulatur, sowie den steuernden Zentren und Nerven in Gehirn und Rückenmark, funktioniert bei einer Inkontinenz nicht mehr richtig. Diese Störung kann grundsätzlich organische Ursachen haben oder durch eine Erkrankung oder Verletzung des Nervensystems bedingt sein. Muskelverletzungen bzw. Muskelschwäche und zunehmendes Alter sind ebenfalls häufige Ursachen.

Die verschiedenen Inkontinenzformen

Verschiedene Formen der Inkontinenz (Bildrechte: fotolia, bilderzwerg )

Zwei wichtige Funktionen muss die Harnblase erfüllen: Das Entleeren zum gewünschten Moment und das Speichern des Urins. Für die unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz können auch die Ursachen sehr unterschiedlich sein. Bei einer Überlaufinkontinenz liegt am Blasenausgang ein Abflusshindernis vor – zum Beispiel durch eine Harnröhrenverengung (die wiederum durch Tumore oder Harnsteine ausgelöst werden kann) oder eine vergrößerte Prostata. Weitere Harninkontinenzformen sind: Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Reflexinkontinenz und extraurethrale Inkontinenz. Als extraurethrale Inkontinenz wird der unphysiologische, ständige oder plötzliche Harnverlust über den Anus, die Haut oder die Scheide bezeichnet.

Inkontinenz in jungen Jahren

Oft wird die Inkontinenz in Verbindung mit älteren Menschen gebracht, da sie im Alter auch häufiger vorkommt. Nicht nur ältere Frauen leiden unter Inkontinenz, sondern es können auch junge Frauen davon betroffen sein. Die Muskelmasse im Körper nimmt bereits ab dem 20. Lebensjahr ab. Diese Tatsache hat Auswirkungen auf den Beckenboden und seine Fähigkeit, Urin in der Blase kontrolliert zu halten. Demnach ist Inkontinenz sogar auch bei jungen Frauen und Männern möglich. Blasenschwäche ist übrigens auch bei Schwangeren ein weit verbreitetes Problem. Unter Symptomen der Stress- und Belastungsinkontinenz leiden im letzten Drittel der Schwangerschaft ca. 40 Prozent der Schwangeren. Nach einer vaginalen Geburt sind etwa 15 Prozent der Frauen nicht mehr vollständig kontinent. Wegen der auftretenden Inkontinenz fällt es Frauen manchmal alles andere als leicht, schwanger zu sein.

Ursachen für die Inkontinenz

In erster Linie ist eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur die Ursache für Blasenschwäche. Die Beckenbodenmuskeln dehnen sich durch die zunehmende Größe und das Gewicht des Kindes ständig aus, was wiederum eine große Auswirkung auf den Blasenschließmuskel haben kann. Wenn die Inkontinenz während der Schwangerschaft besteht, bessern sich in der Regel die Beschwerden wieder nach der Geburt. Möglich ist aber auch, dass die Inkontinenz erst nach der Geburt festgestellt wird. Der Grund dafür liegt in der besonders ausgesprochenen Dehnung der Beckenmuskeln bei der Geburt. Diese sogenannte postpartale Harninkontinenz verschwindet normalerweise innerhalb der nächsten 12 Monate. Die häufigste Form der Inkontinenz bei Frauen ist die Belastungsinkontinenz, bei welcher der Harnblasenverschluss geschwächt wird. Von dieser Harninkontinenzform sind bis zu 40% der inkontinenten Frauen betroffen.

Inkontinenzversorgung

In Literatur zur Alten- und Krankenpflege taucht häufig der Begriff „Inkontinenzmaterial“ auf. Gemeint werden damit oft aufsaugende Einlagen, die bei Betroffenen mehr als 3/4 der Inkontinenzversorgung ausmachen. Zum Einsatz kommen manchmal auch andere Inkontinenz-Hilfsmittel, wie z.B. Analtampons oder Katheter bei Stuhlinkontinenz, sowie Kondom-Urinale. Solche Inkontinenzprodukte helfen den Betroffenen, ein sorgenfreies Leben zu führen. Mit der Zeit lässt sich die Inkontinenz sehr gut behandeln. Falls eine vollständige Heilung unmöglich ist, wird das Leben zumindest durch zahlreiche Inkontinenzartikel erleichtert. Einteilen lassen sie sich in:

  • auffangende Produkte,
  • ableitende Produkte,
  • aufsaugende Produkte (erhältlich als Ein- oder Mehrwegartikel mit starkem Saugkern)
  • sonstige Hilfsmittel bei Inkontinenz, z.B. zum Schutz der Matratze.

Produkte mit hoher Saugkapazität haben den Vorteil, dass sie nicht so häufig gewechselt werden müssen. Früher als später sollte man sie trotzdem austauschen, um Hautreizungen vorzubeugen. Hautreizungen entstehen durch den Kontakt des Urins mit der Haut. Während frischer Harn kaum riecht, entsteht nach einiger Zeit jedoch der typische Uringeruch, da der Harn durch Bakterien zersetzt wird. Zu den aufsaugenden Inkontinenzprodukten zählen  Inkontinenzeinlagen, Inkontinenz Windeln und Inkontinenz Pants.

Inkontinenzartikel und andere Hilfsmittel

Es gibt unterschiedliche Hilfsmittel, um Matratze und Bett zu schützen. Manche sorgen zusätzlich für ein Trockenheitsgefühl, indem sie Flüssigkeiten aufsaugen. Andere Inkontinenzauflagen halten die Feuchte vom Bett (nicht aber vom Schlafenden) fern und saugen sie nicht auf. Für den dauerhaften Einsatz sind sie daher nicht zu empfehlen. Aufsaugende Inkontinenzunterlagen beugen Hautreizungen vor und sorgen für Trockenheit.  Auch bei schwerer Inkontinenz eignen sich mehrschichtige Unterlagen und verfügen über ein Saugvolumen von bis zu 3 Liter. Inkontinenzartikel können preisintensiv sein. Am günstigsten sind in der Regel die Einweg-Einlagen. Qualitativ besonders hochwertige Produkte und Mehrweg-Artikel können sich trotzdem auf Dauer lohnen. Inkontinenz nachts verursacht den Betroffenen unangenehme Schwierigkeiten. Mehrere Hersteller von Inkontinenzprodukten bieten für die Nacht spezielle Pants und Einlagen an.

Inkontinenz mit Beckenbodentraining vorbeugen und behandeln

Durch gezielte Beckenbodentrainings-Übungen und Beckenbodengymnastik (sehen Sie hier unsere Flyer dazu) können das Bindegewebe und die Muskeln gekräftigt werden, damit sie ihren wichtigen Aufgaben wieder besser gewachsen sind. Beckenbodentraining in der Schwangerschaft senkt die Wahrscheinlichkeit von Harninkontinenz – sowohl vor als auch nach der Geburt. Eine Kräftigung des Beckenbodens in der Schwangerschaft ist deshalb auf jeden Fall sinnvoll. Sehr wichtig – vor allem für Frauen – ist Beckenbodentraining nach der Geburt. Die Beckenbodenmuskulatur dehnt sich durch die Belastungen der Geburt und der Schwangerschaft aus und wird schlaff. Folgen wie Organsenkungen und Blasenschwäche können durch Beckenbodengymnastik Übungen vermieden und behoben werden. Für die Behandlung der Inkontinenz ist auch das frühzeitige Gespräch mit dem Arzt sehr wichtig. Bei Männern wirkt regelmäßiges Training zusätzlich gegen Erektionsstörungen und eine Vergrößerung der Prostata. Außerdem können die Übungen Potenzprobleme beheben oder sie vorbeugen. Vom Beckenbodentraining können also auch Männer profitieren!

Der ganz normale „Lustverlust“ nach der Geburt

Wenn die Frau gleich nach der Geburt keine Lust auf Sex empfindet, ist das zunächst einmal der Wille ihres Körpers, weil sich der Körper von den Strapazen der Geburt und der Schwangerschaft erholen muss. Das sexuelle Verlangen wird zudem durch das Hormon Prolaktin gehemmt, welches für die Milchbildung zuständig ist. Auch weitere Faktoren außer der körperlichen Belastungen können die Lust der Frau nach der Geburt dämpfen. Die Erfahrung einer schmerzhaften Geburt kann so z.B. Ängste vor einer neuen, zu frühen Schwangerschaft wecken. Körperliche Veränderungen der Frau und die Irritationen, die sie eventuell auslösen, können das sexuelle Bedürfnis beider Partner mindern. Gerade die sexuelle Wiederannäherung kann andererseits den beiden Partner helfen, diese Veränderungen zu akzeptieren, sich an diese zu gewöhnen und sie auch zu mögen.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Inkontinenz? Unser kompetentes Team beantwortet Ihnen Ihre Fragen (gerne auch anonym) im Forum und gibt Ratschläge für Lösungen zu den besprochenen Problemen.

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